DIESSEITS VON EDEN    Ausstellung im Kunsthaus Worms 2011

 

 

                                      

SUCHE NACH EDEN   Wege ins Paradies   Acryl/Ölkreide auf Leinwand je 100 x 120 cm

 

Kreuz und quer verlaufen blaue Linien, die Erde scheint damit überzogen. Wie Wege sehen die Flüsse des Paradieses aus. Jeder Weg geht in eine andere Richtung auf der Suche nach dem Glück. Wie bedroht dieses ist, lassen rote Farbflächen erahnen, die mit Höllenfeuerfarben das fruchtbare, satte Grünland begrenzen: Flammen des Krieges, des Hasses, der Zerstörung. Blutfarbene Kleckse mischen sich dazu. Von anderer Seite lauert eisblaue Starre: Gleichgültigkeit und Ignoranz.

Menschliche Gesichter sind erkennbar, ein Mann und eine Frau – das Urpaar, mit dem alles begann, das im Paradies lebte und dieses verlor.

Die Seerose oder Lotusblüte Nymphea, Zeichen für Vollkommenheit, Lebenskraft und Reinheit sowie der Verbindung zwischen Himmel und Erde, versteckt von Münchhausen in einer Ecke. Ist dies der Aufruf zur Umkehr oder der Hinweis auf ein nicht Erkennen, dass wir doch eigentlich im Paradies leben, dieses nur nicht begreifen, geschweige denn wertschätzen?

Den Faden der Ariadne wünscht man sich angesichts von Münchhausens Labyrinthen und Irrgärten. Wo ist die klare Ansage, die Stimme der Obrigkeit aus alter Zeit, die dem Menschen sagte, wo er das Glück zu suchen und zu finden habe? Ist unser Zeitalter doch geprägt von zahllosen Glücksversprechen: tolle Reisen, Glück im Eigenheim, Erfolg im Beruf, die große Liebe, purer Genuß, Freunde, fun und action, shoppen, chillen, surfen und chatten, wo und wann immer du willst, sofort, ohne Risiko und ohne Schweißflecken. Nichts ist unmöglich. Man gönnt sich ja sonst nichts. Wir haben es uns verdient. Schlag- und Reizworte, die den Menschen mal in die eine Richtung und gleich wieder in eine andere gehen lassen. Tausend Wege, alle Möglichkeiten – und doch kein Weg ins Paradies?

 

Ursprünglich führte das Labyrinth den Besucher durch regelmäßigen Richtungswechsel zielsicher zur Mitte. Gemeint war damit die Mitte des Menschen selbst. Durch den Verlust dieser Regelmäßigkeit, den unser gesamtes Leben heute prägt, haben wir das Ziel aus den Augen verloren – und damit uns selbst.

Wo wir stehen, was wir suchen, ist unsicherer denn je. „Wo die Welt noch in Ordnung ist“ machen uns die Medien glauben. Von Ursprünglichkeit, Reinheit und Unverfälschtheit ist die Rede.

 

Text von Kunsthistorikerin Frau Rüttger-Mickley  September 2011

 

                                        

 

 

 

   

     EVA  I       50 x 60 cm

                 

EVA II         50 x  60 cm